FREIBURGER ORCHESTERGESELLSCHAFT

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Ein weites Spektrum an Stimmungen

Die Freiburger Orchestergesellschaft gastierte im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus

DENZLINGEN. Vor fast genau einem Jahr gastierte die Freiburger Orchestergesellschaft mit einem Trompetenkonzert im Bürgerhaus in Denzlingen. Am vergangenen Sonntag stellte das Laienorchester mit dem Brahms-Violinkonzert in Denzlingen ein neu erarbeitetes Programm vor. Neben dem Solokonzert waren die Hebriden-Ouvertüre von Mendelssohn-Bartholdy und die 8. Symphonie von Beethoven aufgenommen.
Ein Programm, klassisch und klassisch schön. Mutig, weil es sich um Werke handelte, die sich durch ihren Bekanntheitsgrad automatisch dem Vergleich aussetzen. Anspruchsvoll, weil unterschiedlicher Duktus der Werke dargestellt sein will. Mit der Hebriden-Ouvertüre, einer Naturschilderung des jungen Mendelssohn, war ein weites Spektrum an Stimmungen und Erlebnissen einer Reise festgehalten. Diese musikalischen Skizzen gelangen dem Orchester nicht ganz so leicht und klanglich differenziert, wie man sie im Ohr hat.

Vielleicht brauchte es dieses erste Stück, um mit der Aufführungssituation umgehen zu können und sich "warm gespielt" zu haben. In der Beethoven-Symphonie schien das Orchester exakter, beweglicher, transparenter agieren zu können. Das Dirigat von Martin Rupp, seit mehreren Jahren Leiter des Orchesters, vermittelte neben dem reinen Durchschlagen gestaltende Impulse, die im Verlauf des Konzertes immer direkter vom Orchester abgenommen wurden. Es teilte sich mit, wie gründlich und kompetent die Vorarbeit von beiden Seiten geleistet war, dass im Moment der Aufführung eine solche sinfonische Leistung einem Laienorchester möglich wurde. Man mag bemängeln, dass die Anfänge und Schlüsse rund um die kleinen und großen Generalpausen in den Sätzen der 8. Symphonie von Beethoven nicht ganz exakt gerieten. Der musikantische Übermut, den dieses Werk atmet, spiegelte sich in der Wiedergabe dennoch greifbar und imponierend. Wie deutlich die Gegensätze herausgearbeitet waren, zeigte sich am Kontrast zwischen dem schwerelosen Schluss des 1. Satzes zu den breiten apodiktischen Schlussakkorden des vierten Satzes.

Michael Dinnebier, der Solist des Brahms-Violinkonzertes, bestach durch eine schöne, energische Klangfarbe. Er gestaltete den anspruchsvollen Part mit unprätentiöser Virtuosität, durchweg konsequent nah am Orchester und in intensiver Kommunikation mit dem Dirigenten. Klanglich ausgezeichnet und intensiv im Ausdruck faszinierten Oboe und Geige mit dem Hauptthema des zweiten Satzes, das in seiner durchsichtigen Instrumentation von sich aus besticht. Die Zuhörer erlebten eine weite Skala der romantischen Gefühle, in diesem Violinkonzert und in dieser Wiedergabe beispielhaft in Töne gesetzt. In der Zugabe, einem Satz aus einer Bach-Partita, zeigte sich Dinnebier frei im interpretatorischen Gestalten, seine fast fahle Tongebung verlieh dem Satz ungewöhnliche Intensität. Man nehme Musikbegeisterte, einen professionellen, motivierenden Leiter, anspruchsvolle Werke und ein gehöriges Maß an Begeisterungsfähigkeit, Durchhaltevermögen und Einsatzwillen. Wenn aus dieser Mischung derart erfreuliche Konzerte entstehen, in denen sich die Liebe zur Musik mitteilt, dann gilt der Applaus des vollen Hauses ohne Einschränkungen allen Beteiligten!

Hildegard Karger, Badische Zeitung vom 27. April 2012, Ausgabe Emmendingen

 

Ein meisterliches Zusammenspiel

Die Freiburger Orchestergesellschaft und der Violinist Michael Dinnebier
begeisterten das Publikum in Ettenheim

Die Freiburger Orchestergesellschaft mit ihrem Dirigenten Martin Rupp (rechts unten) bei ihrem
Konzert in der Aula des Städtischen Gymnasiums Ettenheim. Foto :Sandra Decoux-Kone

ETTENHEIM. Von 1993 bis 1998 war Martin Rupp Lehrer am Städtischen Gymnasium. Gern kommt Rupp, der mittlerweile Direktor am Freiburger Droste-Hülshoff Gymnasium ist, gelegentlich nach Ettenheim zurück, weil er "sehr schöne Erinnerungen daran" hat. Als Dirigent der Freiburger Orchester-gesellschaft hat er am vergangenen Samstag mit seinem Ensemble ein Konzert in der Aula des Gymnasiums gegeben. Für das Publikum war es ein Hörgenuss, am Schluss gab es minutenlangen Applaus und Jubelrufe.

Das Laienorchester, in dem von der 15-jährigen Schülerin bis zum langjährigen Pensionär alle Altersklassen vertreten sind, hatte für die Liebhaber klassischer Musik ein anspruchsvolles Programm vorbereitet. Unterstützung erhielt das Ensemble von einem professionellen Musiker, Michael Dinnebier an der Violine. Er ist unter anderem Preisträger des Mendelssohn-Wettbewerbs und des Charles-Hennen-Concours, seine musikalische Vita reicht vom ersten Geiger im Luzerner Sinfonieorchester über das SWR-Sinfinieorchester bis hin zum Musiker im Ibert Trio und im Bertold Quartett. Michael Dinnebier begeisterte das Publikum im letzten Teil des Konzerts bei einem Violinkonzert von Brahms, Applaus gab es vor allem für das meisterhafte Zusammenspiel mit dem Orchester und seiner herausragenden Leistung als Solist.

Der Einstieg war mit Felix Mendelssohn-Bartholdys Ouvertüre zu "Die Hebriden", die der Komponist nach einem Besuch der Fingalshöhle auf der schottischen Insel Staffa verfasste, weshalb der Zweitname "Die Fingalshöhle" lautet. Der Beginn war zunächst verhalten, hier trugen Bratsche, Cello und Fagott ein eintaktiges Thema in Wiederholungen und Variationen vor. Das so genannte Hebridenmotiv entwickelte sich im weiteren Verlauf zu einem Klangteppich, den zunächst die Streicher als dominierender Part aus leisen Tönen herausarbeiteten und sich mit der Mitwirkung der Bläser zunehmend vergrößert. Fast meinte man, das Wasser rauschen und tosen zu hören, Akzente setzte im Sturm der Naturgewalten die Pauke als Donnergrollen. Einen Kontrast bildeten Klänge, die die Geisterwelt der Fingalshöhle darstellten.

Ganz anders war die achte Sinfonie in F-Dur op. 93 von Ludwig van Beethoven. Schwungvolle Passagen wechselten sich mit einem scheinbaren Ende ab, gingen über zu verschiedenen Einlagen mit einem Wechsel in Tempo und Rhythmik. Das Ende schien einige Male zum Hören nah, man war versucht zu klatschen – doch plötzlich griffen die Bläser das Thema wieder auf. Die Stilrichtungen wechselten von einem Duett zwischen Violinen und Bässen, einem nicht immer harmonischen Zwiegespräch von Streichern und Bläsern und Tönen, die an einen Ländler erinnerten, bis hin zu einem lang gezogenen Ende. "Wir hoffen heute nur mit einem Dirigenten auszukommen", hatte Martin Rupp humorvoll ins Programmheft geschrieben; damit erinnerte er an die Uraufführung im Februar 1814, als der Kapellmeister den Kommandostab von Dirigent und Komponist Beethoven übernahm, um die Uraufführung der achten Sinfonie zu retten.

Das Können von Dirigent, Orchester und Solist war beim Violinkonzert D-Dur op. 77 von Johannes Brahms gefordert, vor allem beim Zusammenspiel zwischen Orchester und Solist. Das Stück enthält anspruchsvolle Passagen. Für Martin Dinnebier war es insofern ein ausgesprochen schwieriges Stück in Sachen nuanciertes Zusammenspielen, in dem sich beide und natürlich der Dirigent als Meister ihrer Fächer erwiesen. In dem lyrisch-sinfonischen Gebilde des ersten Satzes wogten die Parts zwischen Orchester und Solist hin und her, das Ende mit dem zweiten Thema wirkte dramatisch. Fast schmachtend war der zweite Satz, in dem das Ensemble mit die Aussage über Brahms als "Sänger der Sehnsucht" bestätigte. Im dritten Satz wechselten sich einzelne Instrumentengruppen miteinander ab. Mal gab der Solist den Ton an und das Orchester folgte, dann war es wieder umgekehrt.

Aus seiner Ettenheimer Zeit hat Martin Rupp noch sehr gute Kontakte zu Lehrer- und Musikkollegen, wie zum Beispiel Eberhard Gleichauf, der das Konzert organisierte. Gemeinsam mit Martin Rupp hat er in der Vergangenheit an anderen Projekten mitgearbeitet, erst im vergangenen Jahr hatten Rupp und der Schüler-Eltern-Lehrer Chor des Gymnasiums das Mozart-Requiem in Freiburg und Ringsheim aufgeführt. Mit dem SEL-Chor ist auch ein wieder ein weiteres Projekt geplant, über Thema und Zeit wollten beide allerdings noch nichts sagen.

Irene Bär, Badische Zeitung, Ausgabe Ettenheim vom 24. April 2012

 

Grandiose Leistung des Laienchors

Der sel-Chor des Städtischen Gymnasiums Ettenheim führt in der Ringsheimer Kirche das anspruchsvolle "Requiem" von Mozart auf.

RINGSHEIM/ETTENHEIM. Der Schüler-Eltern-Lehrer-Chor (sel-Chor) des Städtischen Gymnasiums Ettenheim unter der Leitung von Eberhard Gleichauf und die Freiburger Orchestergesellschaft unter der Leitung von Martin Rupp haben sich ein Jahr lang einem sehr anspruchsvollen Werk angenommen: dem "Requiem" von Wolfgang Amadeus Mozart. Am vergangenen Sonntag hatte diese Bearbeitung in der Ringsheimer Kirche Premiere.
Um es vorweg zu nehmen: Es war eine grandiose Leistung, sowohl vom Chor mit etwa 65 Sängerinnen und Sängern, als auch vom großen Orchester mit mehr als 50 Musikerinnen und Musikern. Auch der Ort für die Aufführung war gut gewählt: Die Ringsheimer Barockkirche wurde in den Jahren 1784/85 erbaut. Der 29-jährige Wolfgang Amadeus Mozart war zu dieser Zeit freischaffender Komponist in Wien. Das Requiem war eines seiner letzten Werke, das er bis zu seinem Todestag am 5. Dezember 1791 nur in Fragmenten komponiert hatte. Zwei Schüler von Mozart, Joseph Leopold Edler von Eybler und Franz Xaver Süßmayr, vollendeten das Werk.
Den Anfang des Konzertes gestaltete das Orchester mit der Aufführung des 1. Satzes aus der "Reformationssymphonie" d-moll des romantischen Komponisten Felix Mendelssohn Bartoldy. Der Komponist selbst war vom Leben und Glauben von Martin Luther beeindruckt und widmete diese Symphonie dem 300. Jahrestag der lutherischen Kirche. Die Besucher erlebten mit diesem Stück die ganze Skala der Gefühle im Geist der Romantik. Dirigent Martin Rupp führte mit sicherer Hand, das große Orchester glänzte durch dynamische Spielsicherheit.

Danach verließen ein paar Musiker zunächst das Orchester. Nicht etwa weil sie keine Lust mehr hatten, sondern weil Mozart für sein Requiem keine
Querflöten und Oboen vorgesehen hatte, weil von ihnen für eine Totenmesse zu viel Fröhlichkeit ausgehe. Martin Rupp dirigierte das Mozart-Requiem, während Eberhard Gleichauf als Basssolist agierte. Der Tenorsolopart wurde von Jörg Golombek gesungen. Eine herausragende Idee hatte Gleichauf mit der Besetzung der Sopran- und Alt-Soli. Jeweils fünf junge Sängerinnen brillierten mit einer erstaunlichen Sicherheit aus einem Guss und ließen sich auch durch die sehr starke Nähe zu den Zuhörern in den vorderen Besucherbänken nicht irritieren. Der musikalischen Ausbildung junger Stimmen am Städtischen Gymnasium durch Gleichauf ist es zu verdanken, dass dieses Wagnis ein großer Erfolg wurde. Den Sopran-Solopart sangen Cara Graefe, Jasmin Nopper, Rebecca Kromer, Leanna Muth und Annika Stumpp. Das Altsolo war mit Nathalie Brucker, Elizabeth Marple, Bouchra Moosmann, Gabriele Schillinger, Laura Weber, Christine Rieder (Tuba mirum) besetzt. Die Solistinnen wechselten immer wieder in den Chor zurück, wenn sie keine Solopartien hatten.
Der Chor hatte während des ganzen Stückes keinerlei Zweifel aufkommen lassen, dass er schwierige Chorliteratur beherrscht. Ein Jahr lang dauerte die Vorbereitung, erklärte Gleichauf. Besondere Herausforderung stellen die sogenannten Fugen, beginnend im "Kyrie" mit der Doppelfuge, dar. Sie hat in der Kirchenmusik eine lange Tradition als strengste kontrapunktische Form. Die Doppelfuge bei Mozarts Requiem ist deshalb schwierig, weil sie aus zwei verschiedenen, nebeneinander laufenden Themen besteht. Im "Dies irae" (Tag des Zorns bis hin zum jüngsten Gericht) hält sich Mozart mit starken Bildern zurück und endet sogar – anders als bei Verdi – mit der Vergebungsbitte. Alle Teile dieses Werkes haben den Anspruch gehört und interpretiert zu werden. Das "Benedictus" (Gesegnet sei, der da kommt im Namen des Herrn) ist in seinem Gestus der Tradition verpflichtet. Nach und nach setzen die Solisten ein, der Satz ist immer wieder imitatorisch gehalten, fängt sich aber immer wieder in homophonen Abschnitten. Im Anschluss ertönte im Chor das "Hosanna", die gleiche Fuge wie im "Sanctus".

Das Lux aeterna" (Ewiges Licht leuchte ihnen) als Schlusssequenz des Mozart-Requiems, gleicht Note für Note dem "Intrioitus" am Anfang. Vom Chor wurde mit der Fuge "cum sanctis in aeternum" noch einmal ganze Präsenz und Konzentration gefordert. Wie das "Kyrie" ist auch hier der Schluss ein leerer Akkord und das Requiem endet in perfekter Konsonanz.
Sekundenlang verharren Orchester, Chor und Kirchenbesucher in angespannter Ruhe, die Schwingungen und Emotionen sind nachhaltig und brechen sich aber danach Bahn, als Dirigent Martin Rupp den Taktstock langsam nach unten sinken lässt. Eberhard Gleichauf ist erleichtert und gleichermaßen stolz auf seinen außergewöhnlich starken Laienchor mit den jungen Talenten. Lang anhaltender Applaus belohnt die Aufführung.

Adelbert Mutz, Badische Zeitung vom 22.11.2011, BZ-Ausgabe Ortenau

 

Klasse – die hörbare Freude an klassischen Klassikern

Freiburger Orchestergesellschaft mit Tobias Bockstahler im Kultur- und Bürgerhaus.

DENZLINGEN. Es sprach für die Anziehungskraft der Freiburger Orchestergesellschaft, dass der Saal des Kultur- und Bürgerhauses so gut besetzt war. Und sicher auch für die Erwartungen an den jungen Solisten Tobias Bockstahler aus Emmendingen, dessen Namen zusammen mit der seines Vaters in der Regio für handwerklich meisterhafte Trompetenmusik steht. Die Laienformation setzte mit diesem Konzert einen Anspruch an sich selbst mit erfreulichem Ergebnis um.
Dies ist vor allem Orchesterleiter Martin Rupp zu verdanken. Wie jede Laienformation vermittelte das seit über 50 Jahren bestehende Orchester, dass der Weg das Ziel ist: Die Freude an der Musik und am gemeinsamen Musizieren bietet die Möglichkeit, große Werke der Literatur kennenzulernen und unter professioneller Leitung zu erarbeiten. Sicher ist es ein Glück, dass das Orchester mit Martin Rupp einen Leiter hat, der selbst Streicher ist und damit in seiner Anleitung authentisch sein kann. Sein deutliches, schnörkelloses Dirigat spornte jeden Einzelnen an, im Konzert sein Bestes zu geben.

Mozarts Ouvertüre zu dem Singspiel "Der Schauspieldirektor" erwies sich ein weiteres Mal optimal für den Einstieg in ein symphonisches Konzert. Heiter und klangschön, in den Instrumentengruppen gut austariert kam es daher und nahm die Zuhörer mit in eine Atmosphäre, die durch das Haydn-Trompetenkonzert und die Beethoven-Symphonie klangliche und interpretatorische Steigerungen erfuhr.
Tobias Bockstahler agierte sicher und klangschön. Im Anfang des ersten Satzes und in der Kadenz wurde der Ursprung für die Trompete als Signalinstrument in fanfarengleichen Passagen deutlich. Im Andante nahm der junge Solist das Thema mit warmer Tongebung auf und zeichnete die langen Bögen beeindruckend nach. Das bekannte Allegro, eine muntere Spielmusik, setzte einen lebhaften und erfreulich frischen Schlusspunkt unter das Solokonzert. Sympathisch, dass die Orchestergesellschaft jungen Hochbegabten wie Bockstahler die Gelegenheit zum Konzertieren gibt.
Der Beginn der Symphonie Nr. 1 von Beethoven war in der Interpretation von Martin Rupp auffallend breit genommen, Die bot Gelegenheit für schönen Streicherklang, der im Verlauf der Symphonie allerdings nicht immer einheitlich blieb. Das Andante war in seiner immer wieder bewunderten Durchführung solide wiedergegeben, ein wenig mehr Transparenz hätte den guten Eindruck noch mehr unterstrichen. Der herrlich klassischen Kultur der weiteren Sätze wurde das Orchester erfreulich gerecht. Es bleibt in jeder Beurteilung ein Spagat, mit so vielen ausgezeichneten Aufnahmen und Interpretationen oft gespielter und bekannter Werke im Ohr einer Wiedergabe durch Laien gerecht zu werden. Jede Rezeption hat diesem Moment Rechnung zu tragen und verlangt, "mit anderen Ohren" zu hören. Deshalb bei allem guten Klang ein weiteres wichtiges Moment: Die Freude an der Schönheit dieser Musik und die engagierte Befassung des Ensembles mit derselben teilte sich den vielen Zuhörern überzeugend mit.

Hildegard Karig, Badische Zeitung, Ausgabe Emmendingen vom 31. März 2011

 

Hochgenuss mit Chopin und Dvorak

Freiburger Orchestergesellschaft gastierte im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus

Denzlingen (hg). Am vergangenen Sonntagabend gab die Freiburger Orchestergesellschaft unter der Leitung von Martin Rupp im Kultur- und Bürgerhaus Denzlingen ein hervorragendes Konzert. Zur Aufführung kamen Werke von Frédéric Chopin, nämlich das 1. Klavierkonzert e-moll op. 11, und die 6. Symphonie D-dur op. 60 von Antonin Dvorak. Als Solistin wurde an diesem Abend Elina Lucke vom begeisterten Publikum gefeiert, die den virtuosen Klavierpart im Chopin-Konzert spielte. Die Freiburger Orchestergesellschaft war im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus nicht zum ersten Mal zu hören, zumal sich der große Saal hervorragend als Konzertsaal eignet und die Musiker/innen des Orchesters aus Städten und Gemeinden rund um Freiburg und natürlich aus der Breisgaumetropole selbst kommen. Für den Dirigenten Martin Rupp, der dieses Orchester seit 2003 dirigiert, war es insofern noch ein nachträgliches „Heimspiel", als er in den 90-er Jahren Dirigent des Denzlinger Concordia-Männerchores und Gründer des Pop- und Jazzchores war.

Höhepunkt des Abends, der zweifelsohne ein paar Besucher mehr verdient gehabt hätte, war wie angekündigt das Klavierkonzert von Chopin. In diesem Werk ist in der Tat alles zu hören, was für Chopin typisch ist: leidenschaftliche Ausbrüche, zarte und melancholische Melodien, Eleganz und höchste Virtuosität. Die junge griechische Pianistin Elina Lucke verstand es dabei in Perfektion, ihre Zuhörer in Bann zu ziehen und zugleich ihren dominierenden Klavierpart in das gesamte philharmonische Orchester einzuordnen, wahrlich eine ideale Interpretin für dieses romantische Konzert. Elina Lucke studierte außer in Griechenland an der Robert-Schumann-Musikhochschule in Düsseldorf und danach in Freiburg.

Während der Konzertpause wurde der bereits vielfach gelobte Bösendorfer-Flügel, der zum Inventar des Denzlinger Kultur- und Bürgerhauses gehört, in seinen Raum hinter der Bühne geschafft, um den Zuschauerblick frei zu machen für das Ensemble, das auch im zweiten Teil des Konzertabends bei der 6. Sinfonie von Dvorak begeisterte, ein Werk voller Einfallsreichtum mit folkloristischen Elementen im fröhlichen, unbeschwerten Tonfall und frischer, naiver Sinnlichkeit. Insgesamt spielen gegenwärtig in der Freiburger Orchestergesellschaft etwa 70 Streicher und Bläser aller Alters- und Berufsgruppen aus Freiburg und Umgebung mit. Mit Martin Rupp als bewährten Dirigenten und dem 1. Vorsitzenden der Orchestergesellschaft, Karl-Heinz Ruder, der zugleich als Hornist mitwirkt, zeigt sich das stattliche Ensemble in seinem 50. Jubiläumsjahr in optimaler Verfassung und in fast allen Stimmgruppen gut besetzt. Allein der Streicherkörper zählt über 50 Personen, alle Holzbläser und einige Blechbläser gehören fest zum Orchester. Über ein bis drei weitere Blechbläser als regelmäßige Probenbesucher und Mitspieler, vor allem bei den Hörnern, würde man sich allerdings freuen, wie dem Programmheft zum Konzertabend zu entnehmen war.

WZO (Wochenzeitungen am Oberrhein) „Von Haus zu Haus“, Ausgabe Denzlingen, Oktober 2010

 

Weiche Harmonien umgarnen Zuhörer
Freiburger Orchestergesellschaft gratuliert Robert Schumann zum 200. Geburtstag / Beachtliche Leistung
Von Siegfried Kouba

Furtwangen. 50 Jahre existiert die Freiburger Orchestergesellschaft, Grund für das Ensemble unter Leitung von Martin Rupp, zum 200. Geburtstag Robert Schumanns zu gratulieren. So geschehen am Sonntagabend auf Einladung des Kulturkreises. Gewürzt mit Zitaten des Komponisten und des Dirigenten Leopold Stokowski begrüßte Bürgermeister Josef Herdner Gäste und Orchestermitglieder. Er dankte dem Kulturkreis für die Veranstaltung.

Besonders gespannt durfte man auf das eher selten aufgeführte Konzertstück für vier Hörner und großes Orchester in F-Dur gewesen sein, ein Schumannscher Einfall für das seinerzeit aufkommende Ventilhorn. Zwei Forteakkorde leiten das Stück ein, die Hörner eröffnen ein heiteres Thema, das im Orchester aufgenommen wird. Schwere Staccati und hohe Stellen mussten bewältigt werden, bis die Romanze schwelgend, sehnsuchtsvoll, kantabel erklingt und weiche Harmonien den Zuhörer umgarnen. Attacca folgt der Schlusssatz als Jägerfreude, die in einer munteren Stretta einmündete. Mit welch qualitätsvollen Hornisten man es zu tun hatte, bewies die Zugabe, eine Bearbeitung eines gefühlvollen Klavierstücks, ein Abendständchen, das Peter Bromig, Olivier Darbellay, Jörg Dusemund und Daniel Lienhard geradezu hinhauchten.

»The lamp must be replenish'd, but even then it will not burn so long as I must watch« - so beginnt Lord Byrons dramatisches Poem »Manfred«. In mehreren Akten und Szenen wird ein Psychogramm menschlicher Höhen und Tiefen entworfen. Schumann setzte dieses in Musik und schon die ersten Schläge deuten die große Dramatik an. Martin Rupp und seinem Orchester gelang eine expressive Wiedergabe, die alle Schattierungen von dynamischen Steigerungen, lieblichen selig-lyrischen Passagen, großen Gefühlen, romantischem Schwelgen, tiefen Seufzern und abgerundeten Abschluss nachvollzog.

Von Schumanns Betrübnis ist bei der »Rheinischen« nichts zu spüren. Auch hier bekommen die Hörner (Tutti) als Seele des Orchesters (Wagner) eine besondere Rolle zugewiesen, die immer wieder aufflackert. Schwungvoll lebendig der Kopfsatz, der rheinischen Frohsinn explosiv jubelnd hinaus trägt. Frühling, Natur, Wiese atmete das Scherzo, und griffig wurde das besinnliche Intermezzo geschildert, wobei die gepflegten Holzbläser auffielen. Festlich-religiösen Charakter trug die »Dom-Szene« mit innerer Dramatik, transportiert durch empfindsames Blech. Ausgelassen, bunt, abwechslungsreich, vitalisierend das Finale.

Bedenkt man, dass man es nicht mit einem Profi-Orchester zu tun hatte, war die Leistung beachtlich. Man merkte das engagierte Musizieren und das Aufatmen nach der gelungenen Aufführung. Dankbarer Beifall der rund 80 Zuhörer wurde mit einem kleinen »da capo« belohnt.

Schwarzwälder Bote vom 16.03.2010

Foto: Kouba

Orchester bietet beeindruckendes Spiel vor leeren Rängen
Violinist Michael Dinnebier meistert mit jugendlicher Leichtigkeit alle Passagen / Zauberhafte Oberon-Ouvertüre

Furtwangen. Es gibt sie noch: Die Liebhaberorchester wie die »Freiburger Orchestergesellschaft«, die am Sonntag in der Festhalle gastierte.
Dem riesigen Ensemble standen nur wenig mehr Besucher gegenüber und das ist blamabel. Nennt sich Furtwangen nicht immer wieder Schulstadt, die sogar über eine University verfügt? Und: Gibt es da nicht auch eine Musikschule, bei der man meinen sollte, das Interesse der Eleven sollte geweckt werden, um bekannte Werke zu hören?

Der Jugend hätte man vor allem das Violinkonzert von Samuel Barber ans Herz legen können, denn es ist keineswegs »altmodisch«. Barber ist vor allem durch sein »Adagio for strings« bekannt, das immer wieder auf den Konzertprogrammen zu finden ist. Das Violinkonzert scheint ungerechtfertigt zur Seite gedrängt. Es enthält als »Muster« klassische Formen und Motiveinflüsse, offenbart aber auch typische amerikanische Klangformen sowie rasante Rhythmen und Tempi, die den Finalsatz zunächst unspielbar erscheinen ließen.
In Michael Dinnebier hatte man einen Violinisten gefunden, der geradezu mit jugendlicher Leichtigkeit alle Passagen meisterte und neben technischer Eleganz und Reife auch die nötige musikalische Gestaltungskraft mitbrachte. Das virtuose Spiel wurde unterstrichen durch dunklen, runden Geigenton und elegantes Vibrato. Die lyrische Ausstrahlung der beiden ersten Sätze kam durch tiefes Empfinden des Solisten zur Geltung. Beim Presto ließ Dinnebier keine Zweifel an seinem technischen Können aufkommen. Das umsichtig durch Martin Rupp geleitete Orchester reagierte bestens und bläserischer Leckerbissen bot der Mittelsatz und das erste Horn machte vorangegangene Unebenheiten wett.

Ein in sich gerundeter Auftakt wurde mit der Ouvertüre zu Webers »Oberon« geboten. Hier war es ebenfalls das Horn, dem eine zentrale Rolle schon zu Anfang zugedacht war - ein herrliches Thema, auf das die Streicher »con Sordino« antworteten. Das recht sauber musizierende Orchester gestaltete eine zauberhafte Erzählung, wobei die Klarinette hochromantische Stimmung erzeugte und liebliche Bläser in ein mystisches Feenreich entführten.
Legendär: Franz Schuberts »Unvollendete«. Man spürte die Vorarbeit des Orchesterleiters, der mit ausgewogenem Dirigierstil die großen Linien des Werkes vorzeichnete. Musik, die vom Herzen kam und zum Herzen ging, wurde da geboten, eine große emotionale Palette vor allem im zweiten Satz.
Schließlich Mozarts Titus-Ouvertüre. Wo andere Orchester eine gehörige Reduktion vornehmen, verblieb es bei dem großen Apparat außer abgezogenen Bläsern. Gleichwohl gelang eine beeindruckende Wiedergabe bei klanglicher Prachtentfaltung.

Siegfried Kouba, Schwarzwälder Bote vom 17. März 2009


 

Anspruchsvolle Werke finden Anklang

Freiburger Orchestergesellschaft konzertiert im Denzlinger Kultur- und Bürgerhaus / Höhepunkt Haydns "Concertante"-Symphonie

DENZLINGEN. Beethovens "Coriolan"-Ouvertüre, Haydns Symphonie Nr. 105 "Concertante", schließlich Brahms' Zweite Symphonie: Das ist für ein Laienorchester ein anspruchsvolles Konzertprogramm. In der Freiburger Orchestergesellschaft spielen Musikbegeisterte, die anderen Berufen nachgehen, in ihrer Freizeit klassische Werke. Dies ist aller Ehren wert und nachahmenswert.
Nach Beethovens "Coriolan" -Ouvertüre, der etwas mehr "Drama" zu wünschen gewesen wäre, dann Joseph Haydns "Concertante"-Symphonie. Das Werk erwies sich als eindeutiger Höhepunkt des Abends. Die Soloparts übernahmen Vivica Percy (Violine), Alexander Ott (Oboe), Beverly Ellis (Violoncello) und Wolfgang Rüdiger (Fagott). Diesem Quartett zuzuhören war ein Genuss. Nicht nur der weich-dunkle Geigenton Percys leistete dazu einen großen Beitrag, sondern vor allem der Eindruck nahezu perfekten Zusammenspiels. Da passten Triller bis auf den einzelnen Schlag, da wurden Themen und Motive bewusst miteinander gestaltet. "Papa" Haydn ist durchaus für Überraschungen gut: Im Mittelsatz stellen zunächst Geige und Fagott, dann Cello und Oboe gemeinsam ihr Thema vor - das waren Augenblicke blendenden, beneidenswert schönen Musizierens, an dem die vier sichtlich Freude hatten. Dass Beverly Ellis an einigen wenigen Stellen "Nerven" zeigte, ist angesichts der Kniffligkeit des Celloparts verständlich. Die Freiburger Orchestergesellschaft war mehr als ein Begleitensemble - es wurde richtig erfreulich und wunderbar miteinander musiziert. Großer Beifall.
Musikmachen ist dennoch nicht nur Schmelz und Schönheit, es hat auch eine Menge mit Disziplin, mit Handwerk zu tun. Positiv: Die Orchestergesellschaft nimmt es mit dem Stimmen recht genau, bevor sie beginnt. Streicher bekommen von der Oboe ihr "a" , Bläser ihr "b". Dieses Ritual lief mit Disziplin und Ruhe zum Beginn und nach der Pause ab - doch den Ergebnissen hätte ein wenig mehr Perfektion sicherlich gut getan.
Bei der Brahms-Sinfonie hat die Freiburger Orchestergesellschaft nicht ganz das "Gipfelkreuz" erreicht. Der Weg ist gewiss das Ziel, zumal für ein Laienensemble. Aber ein wenig mehr Aufmerksamkeit etwa für die Frage, wie Themenmotive ihren Weg durch die einzelnen Stimmen nehmen, würde zu einem noch größeren Musikgenuss beitragen. Wichtig wäre auch, beim nächsten Konzert die Bläser auf etwas höhere Podeste zu setzen, damit auch die Zuhörer in den ersten Reihen einen harmonischeren Gesamtklang wahrnehmen könnten. Ungeachtet dessen erhielt die Orchestergesellschaft auch für "ihren" Brahms begeisterten Beifall.

Frank Berno Timm
Badische Zeitung vom 6. März 2008

 

Ungarische Tänze mit Schweißperlen

Freiburger Orchestergesellschaft gestaltete in Breitnau
ein abwechslungsreiches Konzert

BREITNAU. Bei hochsommerlichen Temperaturen fanden sich am Sonntag doch einige musikbegeisterte Zuhörer in der Kultur- und Sporthalle in Breitnau ein, um einem Nachmittagskonzert der Freiburger Orchestergesellschaft zu lauschen. Die gespannten Zuhörer, darunter auch viele kleine Besucher, erlebten ein sehr abwechslungsreiches und schönes Programm. Die 60 Musikerinnen und Musiker eröffneten das Konzert mit der Ouvertüre zu „Salvator Rosa", einer heute gänzlich in Vergessenheit geratenen Oper von Joseph Rastrelli (1799-1842). Während die Sommerhitze trotz geöffneter Türen und Belüftung auch durch die große Halle waberte, gaben die Musikerinnen und Musiker ihr Bestes. Sehr kräftige, klare, sauber und sicher gespielte Klänge entlockte Dirigent Martin Rupp seinem Orchester. Die Ouvertüre, eine Kombination aus italienischer Oper und deutscher Romantik, war mitreißend und verwandelte die Sport- und Kulturhalle gedanklich kurzzeitig in ein Opernhaus – eine ernorme Leistung der Künstler. Im Gegensatz zu einem Profiorchester setzt sich das Orchester der Freiburger Orchestergesellschaft aus Musikern aller Alters- und Berufsgruppen zusammen und bringt so eine andere Voraussetzung mit als Profimusiker, die ihr Instrument studiert haben und ihren Lebensunterhalt mit der Musik verdienen. Das machte auch das Orchester so sympathisch; man fühlte sich als Zuhörer näher verbunden mit den Vortragenden und dadurch auch mit der Musik. Was jedoch nicht bedeutet, dass keine Leistung erbracht wurde, im Gegenteil. Von Anfang bis Ende war es durchgehend ein Genuss, der Freiburger Orchestergesellschaft zuzuhören.

Hervorragend interpretierte Querflötistin Mechthild Scheuerbrandt das Flötenkonzert in G-Dur von Carl Stamitz (1745-1801). Die Fachärztin für Augenheilkunde war mehrfach Preisträgerin beim Wettbewerb für „Jugend musiziert" auf Regional- und Landesebene. Als Soloflötistin hat sie mit der Orchestergesellschaft schon zahlreiche Konzerte gestaltet. Stamitz’ Flötenkonzert verlangte große Flexibilität bei schnell wechselnden Tempi und Lautstärken, was sie brillant und sicher meisterte. Sein enormes Können zeigte das Orchester auch im dritten Teil des Konzertes mit drei der bekanntesten ungarischen Tänze von Johannes Brahms (1833-1897). Mitreißend füllten die fröhlichen und vertrauten Melodien den Saal. Dem Dirigenten und den Musikern war trotz Schweißperlen auf der Stirn die Freude am Musizieren deutlich anzumerken. Das Publikum war begeistert, lang anhaltender Applaus erfüllte die Halle.

Henrike Barthmes, BZ Hochschwarzwald vom 17.07.07

 

Russisches Herzblut
Die Freiburger Orchestergesellschaft begeisterte im Kultur- und Bürgerhaus Denzlingen

Es war ein harter Brocken, den sich die Orchestergesellschaft da vorgenommen hatte: Tschaikowskys Fantasie-Ouvertüre „Romeo und Julia", das Violinkonzert von Alexander Glasunow und die 1. Sinfonie Tschaikowskys versprachen ein wahrlich nicht gerade einfaches Programm. Und wieder einmal gab das Ensemble am vergangenen Samstag einer jungen Nachwuchskünstlerin die Chance, auf einer Konzertbühne zu brillieren.

Pjotr Iljisch Tschaikowsky war durch seinen Freund Balakirew auf den Literaten Shakespeare aufmerksam gemacht worden und die altbekannte Geschichte von Romeo und Julia faszinierte ihn. Die unmögliche Liebe zwischen den Kindern zweier verfeindeter Adelsgeschlechter reizte ihn zur Komposition einer Fantasie-Ouvertüre. In der langsamen Einleitung vermochten die -anfangs noch zaghaften- Bläser eine weihevolle Grundstimmung zu erzeugen. Der folgende ausdrucksstarke Teil, welcher die Unruhen zwischen den Familien zum Thema hat, zeigte ein sicheres und starkes Orchester, was besonders in den rhythmischen Passagen glänzte. Das anschließende Liebesthema und die freie Wiederholung beider Abschnitte waren sehr lyrisch umgesetzt. Hervorzuheben ist besonders die Harfe, welche sich souverän über den Streicherklang hinwegzusetzen wusste und auch die jugendliche Schlagwerkgruppe. Die drei Jungs kommunizierten intensiv mit dem Dirigenten, was sich positiv auf ihre spielerische Leistung auswirkte. In der Reprise hatten auch die Bläser zu ihrer vollen Präsenz gefunden und begeisterten mit klangvollendetem Ausdruck.

Vom Publikum bereits herbeigesehnt folgte nun der Höhepunkt des Abends: im roséfarbenen Abendkleid betrat die 16-jährige Solistin Friederike Starkloff die Bühne und wurde von ihrem „Fanclub" enthusiastisch begrüßt. Schon der erste Ton, den sie ihrer Geige, einer Leihgabe der Landessammlung für Instrumente Baden-Württembergs, entlockte, ließ ihr Können erahnen. Es entstand sofort ein unsichtbares Band zwischen dem Dirigenten, dem Ensemble und der Solistin. Das Orchester begleitete zurückhaltend aber nicht verhalten und ließ der jungen Solistin klanglich genug Raum zur Entfaltung; der melancholische Grundtenor des Violinkonzertes von Glasunow spiegelte sich im warmen, fast seufzenden Klang der Solovioline wider. Mit graziler Eleganz und technischer Präzision überzeugte die Geigerin und trat immer wieder in intensive Dialoge mit einzelnen Instrumentengruppen (besonders: Hörner und Harfe) des Ensembles. Nach einer virtuosen Kadenz im zweiten Satz, bei der alle den Atem anhielten, zeigte das Orchester im sofort folgenden dritten Satz, dass ihm der Tanz im Blut liegt. Tosender Applaus und Bravo-Rufe forderten eine Zugabe, welche die Solistin in Form eines „Caprice" von Lupinski gern erfüllte.

Der zweite Teil des Abends sollte mit einer weiteren Komposition Tschaikowskys den Rahmen schließen. Die 1888 entstandene Sinfonie zeichnet sich durch einen auffällig großen Bläserapparat im Finalsatz aus, der um Tenor- und Bassposaunen sowie Tuba erweitert ist. Außerdem zeigt sich im ersten und letzten Satz Tschaikowskys Vorliebe für volksliedhafte Themengestaltung. Das Orchester unter der Leitung von Martin Rupp konnte hier mit einer vielschichtigen Dynamik glänzen. Sehr ausgewogen erklang das erste Thema zwischen Flöten/Fagott und den begleitenden hohen Streichern. Insgesamt hoben sich die Bläser sehr positiv hervor, sie traten immer wieder mit lebhaften Einwürfen in den Vordergrund und die Oboe überzeugte mit einer sehr lyrischen Interpretation des Themas im zweiten Satz. Wieder war es der dritte Satz, bei dem das Orchester regelrecht aufblühte. Der Tanzcharakter scheint genau die Spielfreude des Orchesters auszudrücken. Der Finalsatz rundete das Konzert ab: sehr schön entwickelte sich das Thema des Satzes in den eigenständig konzertierenden Violinen. Die Energie für die Schlusspassage baute sich hier schon langsam auf und mit einer fulminanten Steigerung endete der Abend in einem strahlenden G-Dur.
Manuela Türoff, 22.Mai 2007

Hörproben aus diesem Konzert sowie ein Videoclip:siehe Downloads

Sänger und Instrumentalisten glänzten:
Zusammenspiel gelang perfekt

Geistlichen Musikgenuss in der Ringsheimer Kirche boten der SEL-Chor und das Freiburger Orchester vor über 400 begeisterten Zuhörern

Ringsheim (mml). Die kath. Pfarrkirche St. Johannes Baptista bot den besten barocken Rahmen für ein gemeinsames Konzert des Ettenheimer SEL-Chores mit dem Ensemble der Freiburger Orchestergesellschaft. Weit mehr als 400 Besucher ließen sich am Sonntag das erstklassige Musikereignis nicht entgehen. Am Vorabend war das Konzert bereits in der Freiburger ev. Friedenskirehe mit, um es vorweg zu nehmen, ebenfalls rauschendem Erfolg aufgeführt worden.

Auch in Ringsheim eröffnete das Orchester unter Leitung von Martin Rupp mit dem „Preludio Sinfonico" von Giacomo Puccini. Der berühmte italienische Opernkomponist schrieb das außergewöhnliche Stück mit einprägsamer Melodik, vielen Orchesterfarben und groß angelegten Steigerungen im Alter von 18 Jahren. Es folgte mit „Vier ernsten Gesängen" ein Spätwerk von Johannes Brahms, orchestriert und von Detlef Glanert mit Vor-, Zwischen- und Nachspielen versehen. Mit Bassbariton Rainer Pachner trug ein Sänger von hohem Rang die von Brahms selbst ausgewählten Bibeltexte über Tod, aber auch Liebe, ausdrucksstark und ohne jeden Makel vor, wie auch das Orchester seinem guten Ruf ausgezeichnet gerecht wurde.

Jubilierend und kraftvoll

Schließlich schlug die große Auftritts-Stunde für den SEL-Chor des Ettenheimer Gymnasiums. Mit 22 Jahren hatte Puccini eine „Messa di Gloria" komponiert, von italienischer Vitalilät und Frische strotzend. Nach dem Kyrie gleich mit dem Gloria das Kernstück des Werkes, jubilierend, kraftvoll, mit einem uneingeschränkt überzeugenden 70-köpfigen SEL-Chor, der unter Leitung von Eberhard Gleichauf auch schwierige Passagen bravourös meisterte, nicht minder beim folgenden Credo.
Als weiterer Solist von internationalem Rang glänzte neben Pachner der Freiburger Tenor Thomas Gleichauf. Trotz weniger gemeinsamer Proben: Auch beim „Sanctus" und „Benedictus" und abschließenden „Agnus Dei" ein perfektes, professionelles Zusammenspiel von Chor, Orchester und Solisten: Eine reife, überzeugende Gesamtleistung mit großem Einfühlungsvermögen, Ausdruck und auch handwerklich hohem Niveau. So sparten denn die Zuhörer nicht mit lang anhaltendem Schlussbeifall, erhoben sich gar zum Dank für den außergewöhnlichen Kunstgenuss von den Bänken.

Ettenheimer Stadtanzeiger vom 26. Oktober 2006

 

Mit gedämpfter Fülle schwelgend
Die Lahrer Hornistin Elsa Maria Schindler spielte mit der Freiburger Orchestergesellschaft

LAHR. Rund 70 Zuhörer waren zum Konzert des Freiburger Orchestergesellschaft am Samstagabend in der Konzerthalle Altes Scheffel Lahr gekommen. Es hätten angesichts des attraktiven Programms und der von Musizierlaune getragenen Darbietung ruhig ein paar mehr sein können, zumal sich mit Elsa Maria Schindler eine Solistin aus Lahr präsentierte.
Die 17jährige Hornistin hat Unterricht bei Christiane Vosseler an der Musikschule Lahr und schon mehrere erste Preise bei "Jugend musiziert" gewonnen. Sie wird auch in diesem Jahr beim Bundeswettbewerb dabei sein. Mit der Freiburger Orchestergesellschaft unter Martin Rupp bot sie Mozarts Hornkonzert Nr. 3 Es-Dur, KV 447, ein Werk zwischen Virtuosität und Klangschönheit.
Mozart fließen auch hier die Melodien nur so aus der Feder, er badet geradezu in Musik, streut Triller ein, Echos, Fanfaren. Seidige Streicher, Oboen und Flöten umspielen das Soloinstrument. Alles klingt leicht, dabei voller Lust am Dasein. Man merkt vom ersten Ton an, dass Schindler ihre Preise nicht umsonst erhielt. Sie hat eine farbige, nuancierte Tongebung, beherrscht alle Schattierungen. Ihr Horn klingt mit gedämpfter Fülle schwelgend, wo Mozart frühlingshafte Melodien verströmt, wenn die Streichertöne leicht dahinflattern, flattert das Horn mit - da werden die Achtel ausgestreut, als wäre es nichts - und wenn es dramatisch wird, wie zum Ende des ersten Satzes, packt Schindler zu, raut den Ton auf und zeigt die Kraft, die in ihrem Instrument steckt.
Der zweite Satz, von Mozart als "Romanze" bezeichnet, ist gemüthaft, ein pastorales Pastell, mit zartem Pinsel getupft. Satz Numero drei ist dann der Jagd gewidmet: Hörnerklang, schwungvoll Querfeldein im Galopp. Schindler spielt das nicht nur klasse, sondern bezaubert auch durch ihre charmante Ausstrahlung.

Und die Freiburger Orchestergesellschaft beweist, dass sie ganz ausgezeichnet Mozart spielen kann. Das Ensemble verströmt genau jene Leichtigkeit und Unangestrengtheit, welche diese Musik zur Ohren- und Seelenfreude macht. Nicht weniger souverän die Symphonie C-Dur, ein Jugendwerk des Schöpfers der Oper "Carmen", Georges Bizet, mit 17 Jahren komponiert. Was überrascht, ist die Eleganz dieser Komposition. Bizet beginnt schwungvoll, nicht ohne Pathos, kippt das schon ein paar Takten ins Tänzerische, gelegentlich wird es zackig-marschhaft, Fanfaren und Pauken, aber immer bleibt es spielerisch, gar ein wenig spöttisch distanziert. Da ist nichts von Titanentum und jugendlicher Glut. Der 17jährige ist kein künstlerischer Haudrauf, der seinem Werk die Sporen gibt, nein. Das ist blendende Unterhaltungsmusik voller reizender Melodien und Einfälle. Ganz auffällig ist im ersten Satz ein immer wiederkehrendes Pizzicato-Thema, für das Adagio erfindet Bizet ein wunderschönes Oboenthema, welches den Satz komplett beherrscht.

Nach der Pause gab es Beethovens Klavierkonzert Nr. 3, vom Orchester mit Gespür für das Sinnliche, für den Klang dargeboten und mit einem tollen Solisten, dem Freiburger Jacob Leuschner, der die perlenden, strömenden Soloparts mit romantischem Atem füllte.

Robert Ullmann
Badische Zeitung vom 15. Mai 2006

Video-Clips von der Einspielprobe zu diesem Konzert mit Beethovens Klavierkonzert: Downloads

 

Elsa Maria Schindler brilliert
Orchestergesellschaft im „Alten Scheffel" / 17-jährige Lahrerin Solistin bei Mozart-Konzert

Lahr. Woran hat es gelegen? An mangelnder Werbung? Am Wetter? Am Bekanntheitsgrad des Orchesters? Jedenfalls überschritt die Zahl der Zuhörer die der Musiker nur wenig. Schade. Das Konzert der Freiburger Orchestergesellschaft in der Konzerthalle „Altes Scheffel" hätte ein volles Haus verdient gehabt.



Den Anfang machte am Samstag Mozart mit seinem Hornkonzert Nr. 3 Es-Dur KV 447, eines von vier Konzerten, das er speziell für dieses Instrument geschrieben hat. Die 17-jährige Elsa Maria Schindler übernahm den Solopart. Die Lahrerin hat bei vielen Wettbewerben, unter anderem mehrfach - auch bundesweit - bei „Jugend musiziert" erste Preise erzielt. Das Hornkonzert ist der Solistin vertraut, hat sie es doch bereits 2005 mit dem Orchester der Musikschule Lahr, einem Mannheimer und einem Zwickauer Orchester gespielt. Daher überraschte die Sicherheit, mit der sie die Aufgabe bewältigte, nicht. Eine tolle Leistung der jungen Künstlerin.

Alles andere als amateurhaft

Im gleichen Alter wie Eva Maria Schindler war Georges Bizet, als er 1855 in nur einem Monat die Symphonie C-Dur schuf. Erst 60 Jahre nach dem Tod des Komponisten wurde das Werk in Basel uraufgeführt. Eine musiktheoretische Werkbetrachtung, wie sie im Programmheft nachzulesen war, ist hier fehl am Platz. Man muss die Musik hören und sich von ihr berühren lassen.
Seit über 45 Jahren gibt es die Freiburger Orchestergesellschaft. Sie führt musikbegeisterte Menschen aller Alters- und Berufsgruppen zusammen. Amateure, die aber alles andere als amateurhaft musizieren. Die rund 50 Musiker erarbeiten mit ihrem Dirigenten Martin Rupp klassische und romantische, aber auch zeitgenössische Musik.

I
mpulse erhält das Orchester durch die Zusammenarbeit mit namhaften Solisten, wie der Pianist Jacob Leuschner aus Freiburg einer ist. In zahlreichen Konzertsälen Europas und Amerikas hat der Preisträger internationaler Wettbewerbe und ambitionierte Kammermusiker mit Lehrauftrag an der Musikschule Lübeck musiziert. Am Samstag brillierte der 32-Jährige in Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll op. 37, das an den Solisten höchste Anforderungen stellt. Aber auch an das Orchester, denn das Frühwerk Beethovens ist nicht allein brillante Virtuosenmusik, sondern erfordert ein spannungsgeladenes Mit- und Gegeneinander von Solist und Orchester, die sich bei der Darbietung am Samstag als gut aufeinander eingespielt zeigten.
Der Beifall des Publikums war bei allen Darbietungen lang und herzlich, Jacob Leuschner bedankte sich seinerseits mit einem Solo-Klavierstück als Zugabe.

Johann Schmider, Lahrer Zeitung vom 15.05.2006

 

Freiburger Orchestergesellschaft: Spiellust in Denzlingen

Überraschungen im Denzlinger Konzerthaus: Mit fast paganinesker Akrobatik und meisterhaftem Kompositionsverständnis brillieren Michael Dinnebier (Violine) und Arvo Lang (Cello) bei Beethovens Tripelkonzert C-Dur. Angela-Charlott Bieber absolviert den von Beethoven weniger kompliziert gestalteten Klavierpart mit variablem Anschlag und routinierter Virtuosität. Und hinter und über alldem die Freiburger Orchestergesellschaft. Das Laienorchester erspielte das Fundament für die Solisten mit erstaunlicher Sicherheit, bot solides musikalisches Handwerk in der orchestralen Umsetzung. Anders, als im ersten Teil des Konzertes. Da, in Brahms' D-Dur-Serenade, einer konzertant weniger beachteten Arbeit des Komponisten, leistete man Schwerstarbeit. Unter dem vehementen, manchmal den ganzen Körper mit einsetzenden Dirigat Martin Rupps, entstand dennoch ein respektheischendes Musizieren. Trotz manchen Modulationsstresses bleibt dieses Konzert ein herausragendes Dokument - Nachweis für Spiellust, Musizierfreude und Entschlossenheit des bemerkenswerten Laienorchesters.

Diebold Maurer, Badische Zeitung vom 17.06.05

Video-Clip von der Generalprobe zu diesem Konzert mit Beethovens Tripelkonzert: Downloads
 

Böhmische Spielfreude
Die Amateure der "Freiburger Orchestergesellschaft" zeigten in Ettenheim Engagement

ETTENHEIM. Dvoráks opus 95 in e-moll "Aus der neuen Welt" (je nachdem, ob man vier Jugendsinfonien mitzählt oder nicht, ist es die fünfte oder die neunte Sinfonie, auf jeden Fall aber die letzte) von einem guten Orchester zu hören, ist immer ein Erlebnis - und die engagierten Amateure der "Freiburger Orchestergesellschaft", die am Freitagabend in der Aula des Ettenheimer Gymnasiums vor begeistertem Publikum ein Gastspiel gab, haben keinen Grund, sich zu verstecken. Trotz des Titels ist die Inspirationsquelle dieser sich so erströmenden Musik eher böhmisch-österreichisch als US-amerikanisch, und böhmische Spielfreude darf man dem Orchester bei seinem Dvorák gern bescheinigen.

Martin Rupp, seit letztem Jahr am Dirigentenpult, wählte die Tempi nicht allzu expressiv und legte Wert auf runden, schimmernden Klang. Das Opus fordert neben einer soliden Streicherbasis gute Bläser, und dass man hier bestens besetzt ist, zeigte sich schon bei dem wohl spannendsten Programmteil, dem Flötenkonzert aus dem Jahr 1933 des Franzosen Jacques Ibert (1890 -1962). Das Werk ist schillernd und bewegt, in den Klangfarben impressionistisch, zugleich "klassisch" in der Form, ein Allegro und ein Scherzo mit spielerisch hüpfenden 16teln rahmen ein schwellendes Adagio ein, dessen Melodie sich wendet und windet. Ein Schuss Debussy ist da schon dabei.Die Harmonien sind jazzig, es klingt wie ein französisch eingefärbter, mäandrierender Südstaaten-Blues, träge, schwül und sinnlich. Im dritten Satz geht es dann tänzerisch zu, die Streicher flirren und sirren, spielen teils pizzicato, davor die quirlige, halb spöttische, halb kokette Flöte wie der Solotanz eines Harlekins. Die Solistin Constanze von Baußnern spielt das technisch brillant, die Kadenz im letzten Satz ist atemberaubend. Ibert kombiniert die solistische Querflöte immer wieder für ein paar Takte mit anderen Blasinstrumenten, mit der Klarinette, dem Flügelhorn, dem Fagott, und schafft so innerhalb des Werkes interessante Spannungsfelder vor sinfonischem Hintergrund.


Als Ouvertüre des Abends bot das Orchester eine Komposition, die Schubert für ein Schauspiel namens "Zauberharfe" verfasste - um sie dann drei Jahre später (1823) seiner "Rosamunde"-Musik, voranzustellen. Auch hier: solide, klangschöne Orchesterarbeit. Großer Applaus und ein hoffentlich baldiges Wiederhören.'

Robert Ullmann
(Badische Zeitung vom 20. Juli 2004)

Hörproben von diesem Konzert: Downloads

 

Musik, erfrischend wie ein sprudelnder Bergbach
Freiburger Orchestergesellschaft begeistert Publikum in der St. Martinskirche

Brigachtal (gig) Die Liebhaber der klassischen Musik durften sich am Samstagabend in der St. Martinskirche über ein herausragendes Konzert der Freiburger Orchestergesellschaft freuen. Im Rahmen des Kulturellen Herbst Brigachtal hatten die rund 35 Musikerinnen und Musiker unter der Leitung von Matthias Killian die Fantasia für Ogelwalze in der Fassung für neun Bläser von Wolfgang Amadeus Mozart sowie das Klarinettenkonzert A-Dur einstudiert und mit Franz Schuberts Symphonie Nr.5 B-Dur verabschiedete sich das Orchester von dem begeisterten Publikum.
Das Konzert für Klarinette und Orchester A-Dur, welches Mozart im Herbst 1791 für den befreundeten Klarinettisten Anton Stadler schrieb, gilt nicht nur als Meisterwerk unter den Bläserkonzerten, es stellte auch den Höhepunkt des Programms in Brigachtal dar. Sonja Villforth, die unter anderem auch als Soloklarinettistin im Philharmonischen Orchester Freiburg spielt, beeindruckte mit ihrem brillanten Solospiel. In dem dreisätzigen Werk finden sich alle Ansprüche an ein Solo-Konzert in perfekter Balance mit dem Orchester. Das Werk verkörpert den hellen, leichten Charakter Mozarts mit der Tonart A- Dur und die ungewöhnliche Instrumentation (Flöten, Fagotte, Hörner und Streichorchester) knüpften an zwei frühe A-Dur-Werke von Mozart an. Die kammermusikalische Behandlung der Streicher, besonders der Geigen, ließen der Klarinette viel Raum, sich zu entfalten.

Sonja Villforth verstand es dabei, die Balance zu halten zwischen brillanten Soloeinlagen, ohne dass diese zum Selbstzweck wurden und dem Orchester keinen Raum mehr gaben. Vor allem der Mittelsatz, das Adagio, ist ganz auf die Kantabilität der edlen Klarinettenlinie ausgerichtet und einem sprudelnden Bergbach gleich erfüllten die Töne in erfrischender Weise den Raum.

Einen Hauch von Mozartnähe spiegelt sich in Schuberts Symphonie Nr.5 B-Dur, in dem der klare Orchesterklang in unterhaltsamer Weise zum Ausdruck kam. Schubert komponierte das Werk ebenso wie die 4. und 6. Sinfonie für ein Wiener Liebhaberorchester, das alle drei Werke auch zum ersten Mal zur Aufführung brachte, was eine beachtliche Leistung war.

Auch die Freiburger Orchestergesellschaft ist ein Liebhaber-Ensemble im weitesten Sinne, deren Vielfalt nicht nur das Freiburger Kulturleben in unverwechselbarere Weise seit 40 Jahren prägt. Die 35 Mitglieder sind Streicher und Bläser aller Alters- und Berufsgruppen, die in wöchentlichen Proben ihr Programm einstudieren. Regelmäßige selbst veranstaltete Konzerte wechseln sich ab mit Engagements durch Chöre und andere Veranstalter wie an diesem Wochenende der "Kulturelle Herbst" in Brigachtal.

(September 2001)
 

Schwung und breiter Klang

W. A. Mozarts Sinfonia concertante KV 364 für Violine, Viola und Orchester war vom Dirigenten Achim Plagge betont musikalisch angelegt worden. Dem Schwung und dem breiten Klang der Freiburger Orchestergesellschaft fiel gelegentlich die rhythmische Prägnanz zum Opfer. Zumal kleine Figuren der Soloparts wirkten bisweilen bedrängt. Frei schwingend und rund dagegen die Kadenzen der überzeugenden Solistinnen. Nicola Birkhan (Violine) spielte resolut und riskanter als die eher abwägende und ausgleichende Katja Püschel (Viola).

Was zu dieser zweiten Hälfte des Konzertes in der Aula des St.Ursula-Gymnasiums kritisch anzumerken war, fiel vor allem nach einem beeindruckenden ersten Teil des Abends auf. Die Freiburger Orchestergesellschaft stand nämlich erstmals unter der neuen Leitung von Achim Plagge. Ein Neubeginn, getragen von dem Wunsch nach genauerer Probenarbeit, der für die Zukunft aufhorchen lässt und der zugleich gültige Ergebnisse vorweist.

Dass da ein Laienorchester spielte, merkte man meist nur daran, dass das gekonnte Mogeln der Profis fehlte. Statt dessen bestimmten Genauigkeit und Biss Beethovens erste Sinfonie. Durchsichtig und leicht ist die Artikulation der Streicher, ausgewogen die Klangbalance und markant die rhythmische Akzentuierung. So wandern im fließenden Andante die Themen nahtlos durch die Stimmen, steigert sich das Scherzo kühn zu grimmiger Entschlossenheit, um sogleich durch die Celli gesanglich abgefedert zu werden.

War der Ensembleklang bei Beethoven brillant, so wird Gabriel Faurés viersätzige Suite "Pélleas et Mélisande" mit weichen und reizvollen Pastellfarben bedacht. Wie sich da die tänzerischen Mittelsätze wiegen, wie die Soli als Farbtupfer eingebettet werden, wie der Schlusssatz zwischen Klagelied und Trauermarsch vermittelt, wie mit Sorgfalt fürs Einzelne und mit Blick fürs Ganze musiziert wird, das verdient großen Respekt.

Friedrich W. Doerr (Badische Zeitung vom 20.5.98)
 

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Stand: April 2012